Miteinander – nicht übereinander reden!
Dienstag, 17. August 2010

Bezirksvertreter und Ortsverband besuchen Islam-Schule Eicken

Am Freitag hat eine Delegation des Ortsverbandes DIE LINKE. Mönchengladbach sowie deren Bezirksvertreter im Bezirk Nord, Mario Bocks, das Gespräch mit Mitgliedern des Kulturzentrums As Sunnah und den Salafiten gesucht. Nach mehreren Artikeln in den lokalen Medien („Stadt in Angst“) und Berichten einiger Fernsehanstalten, wollten sich die Mitglieder des Ortsverbandes einen eigenen Überblick über die Situation vor Ort machen und mit den Menschen in Eicken reden. Das Gespräch, an dem Muhamed Ciftci und weitere Vertreter der Islam-Schule sowie vier Männer und eine Frau auf Delegationsseite teilgenommen haben, verlief in ruhiger und freundlicher Atmosphäre. Ziel der Gesprächsrunde war es, nach den ganzen Diskussionen ÜBER die Salafiten den direkten Kontakt MIT den Salafiten zu suchen und die Vereinbarkeit und Aussagen der Salafiten zu unserer Verfassung und dem Grundgesetz zu hinterfragen. Zu Beginn des Gespräches wurde auch deutlich formuliert, dass die Delegation nicht die  religiösen Ansichten des Vereins teilt. Die an die Polizei und den Bürgermeister öffentlich formulierte Erklärung sowie die Bitte an die Medien, ruhiger und sachlicher über die Islam-Schule zu berichten, wurde noch mal in dem Gespräch erklärt, wobei Muhamed Ciftci betonte, dass weder er noch andere seiner Glaubensbrüder und Glaubensschwestern jemals gegen die Gesetze des Landes und das Grundgesetz verstoßen hätten. Dies sei überprüfbar. Weiter wurde erklärt, dass viele Leserkommentare in der Rheinischen Post dazu geführt haben, dass viele der muslimischen BürgerInnen, welche das Kulturzentrum besuchen, in Angst vor Übergriffen und Anschlägen lebten. Leider ist diese Befürchtung nach den eingegangenen Drohungen gegen das Kulturzentrum sehr ernst zu nehmen. Das Ziel des Kulturzentrums, so die Gesprächspartner der LINKEN, sei es, mit den Mitmenschen in Eicken in einem friedlichen und ruhigen Miteinander zu leben. Geprägt von gegenseitigen Respekt und Toleranz, so die Gesprächspartner der LINKEN, lade das Kulturzentrum alle BürgerInnen ein, sich selber einen Eindruck zu verschaffen. „Wir würden uns freuen, wenn die Menschen, die Angst haben oder unsicher sind, zu uns kommen und mit uns sprechen würden. Unsere Tür steht immer offen und wir stellen uns auch der Kritik, wenn man sie uns vorträgt.“, erläuterte Ciftci. Weiter wurde erklärt, dass das Kulturzentrum bereits seit fünf Jahren in Eicken beheimatet sei und es auch noch nie Probleme mit den MitbürgerInnen in Eicken gegeben habe. Die Delegation hatte im Vorfeld des Gespräches über die Ziele der Salafiten recherchiert und auch andere Meinungen im Umfeld eingeholt. Es wurden keine Belege gefunden, dass in Deutschland ansässige Salafitenorganisationen gegen deutsche Gesetze verstoßen hätten. Auch die in den Medien immer wieder angeführten Beschuldigungen konnten weder bestätigt noch nachgewiesen werden. Die Delegation zeigte sich schockiert darüber, wie derzeit das Recht auf Religionsfreiheit, eine Säule unseres Rechtsstaates, in Frage gestellt werde. Die Behauptungen, die Menschen in der Islam-Schule hier wären Terroristen und würden im Hinterhof Bomben bauen, sind einfach nur erbärmlich. DIE LINKE. vertritt den Satz von Rosa Luxemburg, „Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden“. Diese Freiheit wird hier in Frage gestellt und daher möchte sich auch die Delegation für eine Deeskalierung der sich aufschaukelnden Stimmung einsetzen. Weiter zeigte sich die Delegation auch verwundert darüber, dass kein einziger Vertreter der anderen Parteien den Versuch unternommen hatte, sich persönlich vor Ort in einem Gespräch zu informieren. Befragt, wie man sich zur Gewalt gegen Frauen verhalte, wurde gesagt, dass Gewalt gegen Frauen abgelehnt werde.

Das Fazit des Gespräches:

Neben den öffentlichen Bekenntnissen zu den Gesetzen der Bundesrepublik und deren Verfassung durch die Vertreter der Islam-Schule ist die Delegation nach dem Gespräch der Auffassung, dass die Islam-Schule in der Eickener Straße weder gegen die Verfassung noch gegen die Gesetze der Bundesrepublik handle. Das Grundgesetz garantiert die Religionsfreiheit und die Meinungsfreiheit und es ist nicht einzusehen, warum das Grundgesetz hier gebrochen oder außer Kraft gesetzt werden soll. Die Delegation würde sich jedenfalls sehr freuen, wenn viele BürgerInnen das Gesprächsangebot des Kulturzentrums annehmen würden, um sich so selbst ein Bild zu machen. „Audiatur et altera pars“ (auch die andere Seite muss gehört werden) ist einer der zentralen Grundlage unseres Rechtssystems.  DIE LINKE ist der Auffassung, dass in dem derzeitigen Konflikt die Möglichkeit bestehen muss, auch der beschuldigten Seite die Möglichkeit zu geben, Stellung zu den Vorwürfen beziehen zu dürfen. Deswegen würde sich DIE LINKE freuen, wenn auch andere gesellschaftliche Gruppen in Mönchengladbach das Gespräch mit der Islam-Schule in der Eickener Straße suchen würden.