Rückblickendes Interview zum GDL Streik
Montag, 25. Februar 2008

Rückblickendes und resümierendes Interview mit den Vorsitzenden der GDL in NRW Frank Schmidt zur abgelaufenen Tarifauseinandersetzung

Frank Schmidt gab der Partei DIE LINKE Mönchengladbach ein Interview weil diese sich mit der GDL im Tarifstreit solidarisch erklärt hatte und diese auch mit Aktionen (z.B.: Flugblättern usw.) unterstützt hat.

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Bild-Quelle: Fahne und Schild zum Warnstreik der GDL
Foto: bigbug21
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  1. Können Sie einen kurzen Rückblick auf den Streik geben. Was gibt es für die Stadt Mönchengladbach zu bemerken?

Der Streik der GDL war ein sehr langer und sehr emotionsgeladener Arbeitskampf. Auch bei unseren Mitgliedern hat das Hin und Her sehr viel Kollegen verunsichert, aber nicht den Arbeitskampfwillen geschwächt. Besonders schmerzlich wurde hingenommen, dass wir es nicht geschafft haben, einen Tarifvertrag für das Fahrpersonal zu bekommen, sondern nur für die Lokomotivführer. Gerade die Kollegen in Mönchengladbach haben sehr gekämpft für ihre Interessen und gerade in Mönchengladbach haben wir sehr viele Kollegen, die im Zugbegleitdienst sind und nun leider nicht unter diesen neuen Tarifvertrag fallen, sondern nur die 4,5% und 600€ Einmalzahlung bekommen.

  1. Man hat der GDL insbesondere vom DGB aus Spalterei vorgeworfen, wie sehen Sie das?

Ich sehe nicht, dass die GDL gespalten hat, sondern wir haben auf einen Missstand aufmerksam gemacht und wie ich aus sehr vielen Solidaritätsschreiben von DGB Betriebsräten und Amtsinhabern sehe, war es nur die Führungsriege der DGB Gewerkschaften, die der GDL Spalterei vorgeworfen haben. Aber jeder scheut eben Konkurrenz, obwohl wir es in unserem Staat als Antwort auf viele Probleme sehen, wollen natürlich Gewerkschaften ihre Bereiche schützen. Eins sei hier aber noch mal erwähnt: Die GDL ist Deutschlands älteste Gewerkschaft! Alleine schon von daher halte den Vorwurf des DGB für unhaltbar, uns gibt es länger als den DGB und dbb zusammen.

  1. Der eigenständige Tarifvertrag ist da, was konnten Sie noch durchsetzen, um was müssen Sie noch kämpfen?

Mit der Eigenständigkeit ist es so eine Sache. Man will uns jetzt noch für die Zukunft in eine Kooperation zwingen, ob und wie weit wir da zustimmen, wird man sehen. Sicher ist, dass wir uns nicht auf Jahre jetzt an die Kette nehmen lassen werden, auch wenn es die DB und die TRANSNET gerne hätten, dafür haben wir nicht gekämpft. Dass es aber eine Form von Absprachen in gewissen Fragen geben muss, ist auch uns klar, aber da denke ich, dass die Entscheidungsträger auch ohne einen Vertrag, wenn man ehrlich spielt, zu einem für alle tragfähigen Ergebnis kommen kann. Das kann aber nur mit Vertrauen geschaffen werden und gerade hier sind unsere Mitglieder sehr von den anderen Bahngewerkschaften enttäuscht worden und das Vertrauen muss erst wieder aufgebaut werden.

  1. Herr Mehdorn entwickelte eine regelrechte Klagewut im Arbeitskampf. Führt das nicht zu einer Entwertung des Streikrechts auf juristischem Weg?

Herr Mehdorn hat die Möglichkeiten, die der Gesetzgeber ihm gegeben hat, ausgenutzt, daran sehe ich erstmal nichts Verwerfliches. Sicher sollte der Gesetzgeber seine Position zu Arbeitskämpfen über denken und die Möglichkeiten einschränken, die Arbeitgebern die Möglichkeit geben, einen Arbeitskampf vor Gerichten auszutragen. Ich halte es für einen sehr großen Fehler, wenn Richter, die den Betrieb nicht kennen und auch die Mitarbeiter nicht, hier die Verhandlungen leiten. Das können Gewerkschaften, die die Nöte und Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmer kennen, besser zusammen mit den Arbeitgebern.

  1. Eine Entwertung des Streikrechts betrifft alle Gewerkschaften, wurde in diesem Punkt Solidarität gezeigt von den übrigen Gewerkschaften?

Leider nein!!! Man kann über die GDL denken was man will, aber bei den Urteilen und Gerichtsverfahren hätte ich einen Aufschrei aller Gewerkschaften erwartet. Aber schauen Sie mal, was in Berlin passiert ist, dort hat die Ver.di im öffentlichen Nahverkehr 35 Stunden gestreikt und keiner hat Ver.di verklagt, obwohl der Streik nicht mal angekündigt wurde. Eine GDL wäre hier schon längst wieder vor ein Gericht zitiert worden.
Es wird halt in Deutschland mit zweierlei Maß gemessen.

  1. Eine Zeitlang, kurz vor der Einigung, konnte man den Eindruck gewinnen, das Herr Mehdorn und Herr Hansen „Hase und Igel" mit der GDL spielen, was hat sich da abgespielt?

Es sah vielleicht so aus, gerade wo Herr Mehdorn mehrere Male sein Wort nicht gehalten hat. Wir sind konsequent unseren Weg gegangen ohne unser Ziel aus dem Auge zu verlieren. Ich denke Herrn Hansen hat sein Kurs, den er gefahren hat, sehr geschadet. Sein Ansehen in seiner Gewerkschaft ist nicht mehr das Beste und Rücktrittsforderungen sind auch schon reichlich gemacht worden.

Mehr möchte ich hier nicht sagen, vielleicht schreibe ich mal ein Buch über das Thema.

  1. Was können die anderen Gewerkschaften von der GDL lernen?

Ich weiß nicht, ob man etwas von der GDL lernen kann, vielleicht eins, die GDL selber als Organisation arbeitet gerne und fast ausschließlich mit Ehrenämtern, was uns in die Lage versetzt immer sehr nah bei unseren Mitgliedern zu sein. Es hat aber auch den Nachteil, dass man nicht immer so schnell reagieren kann wie man es möchte.

F. Schmidt
Bezirksvorsitzender GDL NRW
www.gdl-nrw.de