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Eine pazifistische Rede vor vielen Kriegsbefürwortern - Nobelpreisträger Professorin Williams in MG PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 6. Mai 2015

 „Der Friedensnobelpreis für den Kriegspräsidenten Obama ist ein Witz! Mein Land ist das größte kriegstreibende Land in der Welt!“ sagte Friedensnobelpreisträgerin Jody Williams gestern in ihrem Vortrag in der fast ausverkauften Kaiser-Friedrich-Halle in Mönchengladbach. Der eher gequälte Applaus von den vielfach anwesenden lokalen Wirtschaftsvertretern und Politikern sprach Bände. Man stelle sich nur mal vor, ein Mitglied der Linkspartei hätte solches verlautbaren lassen, dann wäre der ganze Krümelzirkus mit den Stand-By-Alibi-Argumenten aber wieder aus der Mottenkiste der Argumentlosen gezogen worden: Oberflächlicher Antiamerikanismus, West-Feindlichkeit, Demokratiefeinde, Verfassungsfeinde etc. etc.

Nun sagt es aber eine Friedensnobelpreisträgerin und bestätigt damit die kriegstreibende Rolle ihres Heimatlandes, der USA, und das war noch lange nicht alles. In Ihrer sehr persönlichen („Privat gebrauch ich oft das F-Wort mit den vier Buchstaben“) und teils humoristischen („Den von Obama angenommenen Nobelpreis will und brauche ich nicht! Ich habe meinen eigenen.“) Ansprache geißelte sie weiter das Opfer von Frauen in Kriegsregionen und sprach leidenschaftlich für den Kampf gegen solche Verbrechen. Auch die Einsätze von computergesteuerten Drohnen verurteilte sie scharf und äußerte unverhohlen ihre Angst vor der zukünftigen Entwicklung, dass diese verbrecherischen Geräte bald nicht mehr von Menschen gesteuert werden sollen, sondern von Computern selbst. Zurecht fragt Sie: „Wer entscheidet dann, wer ein Terrorist ist?“

Die ausnahmslos pazifistische Ansprache der Friedensnobelpreisträgerin trieb so manchem anwesenden SPD und CDU-Politiker ein eher quälendes Lächeln ins Gesicht, da Sie konsequent Krieg und Gewalt zurecht als unzulässiges Mittel anprangerte. Ebenfalls sprach Sie das problematische zwei-Parteien-System in den Staaten an und die immer öfters stattfindende Hinwendung von Jugendlichen zum IS-Terror (Islamischer Staat). Hier müsse man den Jugendlichen Alternativen aus ihrer Ausweglosigkeit anbieten um damit eine generelle Vernachlässigung dieser jungen Menschen zu vermeiden. Auch die Berufsarmee in den Staaten kritisierte Sie scharf („Da gehen nur Jugendliche – aber auch Frauen – hin, die keine andere Chance auf dem Arbeitsmarkt haben“).

Insgesamt war der Abend ein eindrucksvolles Plädoyer wider dem Krieg. Da kann man den schlechten Interviewer im Anschluss an den Vortrag und die teilweise katastrophale Übersetzung der vorgetragenen Rede leicht verschmerzen. Danke, Frau Professor Jody Williams!

 
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