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Vortrag zum Pahlkebad gehalten beim Treffen der Ortsgruppe Rheydt PDF Drucken E-Mail
Freitag, 5. September 2008
Seit 2003 werden im Stadtrat und bei der NVV AG über Pläne zur Sanierung des 1969 erbauten Pahlkebades nachgedacht, die im Laufe der Jahre um Pläne zum Neubau des Bades erweitert wurden. Wirklich passiert ist in der Zwischenzeit nichts, außer dass das Pahlkebad mittlerweile unter Denkmalschutz gestellt und am 07.01.2008 geschlossen wurde, weil von der Deckenkonstruktion angeblich eine Gefahr ausgehen solle. Nun wird am 11.09.2008 eine Sondersitzung des Sport- und Freizeitausschusses, Planungs- und Bauausschusses und der Bezirksvertretung Rheydt-Mitte stattfinden. Die Beratungsergebnisse dieser Sitzung sollen dazu führen, dass in der Ratssitzung am 24.09.2008 nun endlich eine Entscheidung getroffen werden soll, ob das Pahlkebad saniert oder neu gebaut wird.

 
Dazu gab die Stadt Mönchengladbach kürzlich eine Pressemitteilung raus, die die folgenden Zahlen präsentiert: 

Kosten Sanierung € 6,67 Mio. - € 7,2 Mio.
Kosten Neubau gleiches Grundstück € 6,82 Mio.
Kosten Neubau anderes Grundstück € 6,46 Mio. (€ 800.000,- Grundstückserlös enthalten)

Betriebskosten Neubau € 680.000,-/Jahr
Betriebskosten Bestandssanierung € 840.000,-/Jahr
Betriebskosten denkmalgerechte Sanierung € 900.000,- bis € 1Mio./Jahr

Soweit so gewollt von denen, denen eine Menge an einem Neubau des Bades gelegen ist und die, aus purem Zufall versteht sich, an der Spitze der Mehrheitsfraktionen im Rat unserer Stadt sitzen. Denn bekommt man nur diese Zahlen präsentiert, muss man sich zwangsläufig für einen Neubau des Bades auf einem anderen Gründstück entscheiden, bedenkt man, dass der hohe Schuldenberg dieser Stadt mächtig drückt.

Nimmt man aber Einsicht in die wirklichen Vorgänge, die im Stadtrat und bei der NVV AG rund um dieses Thema von statten gehen, kann man doch nicht anders, als betreten aus der Wäsche zu gucken und das angeblich Offensichtliche noch mal zu überdenken. Laut einem detaillierten, öffentlichen Bericht der Fraktion der Freien Wählergemeinschaft (FWG) sehen die Dinge wie folgt aus:

Im Jahr 2003 wurde zunächst das Ing.-Büro Dr. Krieger von der NVV AG beauftragt, Kosten des Sanierungsbedarfs für das Pahlkebad zu ermitteln. Man kam dabei auf einen Kostenpunkt von € 3,7 Mio. In dem Gutachten enthalten waren zwei verschiedene Varianten der Deckenkonstruktion. Erstens, die bisherige Konstruktion unter Erhalt des 10m-Sprungturms, die teurer ist und zweitens eine Flachdachkonstruktion mit einem niedrigerem Sprungturm, die kostengünstiger ist. Es wurde in der Planung von Dr. Krieger empfohlen, im Jahr 2007 € 2 Mio. und im Jahr 2008 € 1,7 Mio. im Haushaltsplan bereit zu stellen. Darüber wurde im Stadtrat im Oktober 2006 entsprechend beschlossen.

Am 18.05.2007 ließ die NVV AG postalisch verlauten, dass sich die von Dr. Krieger ermittelten Kosten von € 3,7 Mio. durch neuerliche Ermittlung auf € 5,8 Mio. erhöht hätten. Daher hätte man auch Zahlen für einen Neubau ermittelt, die sich auf € 6 Mio. beliefen. Am 22.05.2007 konnten die überraschten Rheydter Bürger in der Rheinischen Post lesen, dass die CDU- und FDP-Fraktionsspitzen erfreut mitteilen, in den gestrigen Sitzungen einhellig den Neubau des Pahlkebades beschlossen zu haben. Seltsam an der Sache ist, dass die entsprechenden Sitzungen erst am 21.05.2007 spät abends stattfanden und es daher unmöglich sein sollte, nach Sitzungsende noch eine Pressemitteilung an die Rheinische Post rauszugeben, die dann auch sofort am nächsten Tag gedruckt wird. Man kann sich dabei des Eindrucks nicht erwehren, dass die Pressemitteilung bereits vor den Sitzungen bei der Rheinischen Post eintraf.

Dank der unermüdlichen Recherchen des FWG-Fraktionsvorsitzenden Erich Oberem, der auch im Aufsichtsrat der NVV AG sitzt, wird die Sache im Nachhinein klarer.

Die NVV AG hatte bereits frühzeitig eine weitere Ing.-Gesellschaft namens Constrata mit Planungen und  Kostenrechnungen beauftragt. Die Ergebnisse lagen bereits Ende 2006 vor. Und im April 2007 wurde die Planung noch um eine weitere Neubauvariante erweitert. Nun werden bei so einer Planung für alle Bau- und Technikbereiche entsprechende Firmen zur Kostenermittlung heran gezogen. Es stellte sich dann heraus, dass das Ingenieurbüro des CDU-Fraktionsvorsitzenden Rolf Besten im Bereich Haustechnik, was ein sehr großer Bereich bei einem Bad ist, hinzugezogen wurde. Mehr noch, bei einem Neubau solle der Auftrag für die komplette Haustechnik an diese Firma vergeben werden. Man kann jetzt zwar wohlwollend schweigen, aber man kann sich auch fragen, ob die Kostenexplosion bzgl. des Konzepts von Dr. Krieger von € 3,7 Mio. auf € 5,8 Mio. vom Jahr 2003 auf das Jahr 2007 wohl auch etwas mit der Firma von Herrn Besten zu tun hat.

Aber noch nicht genug, seit April 2007 exisistierte, wie schon erwähnt, noch eine zweite Neubauvariante, nämlich der Neubau des Bades auf einem anderen Grundstück. Dabei wurden die Kosten niedrig gerechnet, indem man den geschätzen Erlös des alten Grundstücks von € 800.000,- bei der Kostenermittlung berücksichtigte. Wie gut solche Grundstücksverkäufe funktonieren, wenn man den Erlös schon fest verplant hat, kann man ja am Objekt Bökelberg prima beobachten. Aber ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Aufsichtsrat der EWMG (Entwicklungsgesellschaft der Stadt Mönchengladbach) sitzt, der in diesem Falle die Entwicklung und Vermarktung des alten Grundstücks obliegen würde.

Die Firma Constrata hat insgesamt drei verschiedene Konzepte erstellt. Daran ist folgendes ziemlich auffällig: Das, was dort unter dem Namen Sanierung läuft, entspricht in der Realität einem grundlegenden Umbau, der weit über jegliche Definition einer Sanierung hinaus geht und auch mit dem Krieger-Konzept aus 2003 nichts mehr zu tun hat, weshalb auch die Kosten erneut höher beziffert werden. Außerdem wird hier nur noch die Flachdachvariante dargestellt, so dass in diesem Punkt keinerlei Vergleiche mehr möglich sind. Die anderen beiden Konzepte beziehen sich auf den Neubau auf dem gleichen Grundstück und den Neubau auf einem anderen Grundstück unter Einrechnung der Grundstückserlöse.

Es gibt außerdem in jedem dieser Konzepte einen nicht unerheblichen Kostenanteil, der sich Baunebenkosten nennt. Seltsamerweise sind diese bei der Sanierung mit 22 % (Krieger 19%) angesetzt, bei Neubau gleiches Grundstück mit 20 % und bei Neubau neues Grundstück mit 18 %. Ob das alles so seine Richtigkeit hat, mag man sich da sicherlich fragen, wohl ist aber die Intention klar ersichtlich.

Zu den laufenden Betriebskosten hat es zwischendurch eine klare Aussage des zuständigen Abteilungsleiters der NVV AG gegeben, dass die Ersparnis bei einem Neubau sich allenfalls auf € 150.000,-/Jahr belaufen würde, was die Neubauplanung absolut nicht rechtfertigt.

Nun hatte die NVV AG sich inzwischen überlegt, die Angestellten des Pahlkebades ab Januar 2008 im gerade fertig gestellten Wickrather Bad unterzubringen. Daher sollte das Pahlkebad am 07.01.2008 geschlossen werden und mit den Baumaßnahmen, in welcher Art auch immer, dann begonnen werden Die Schließung sollte  am 19.12.2007 im Rat beschlossen werden.

Am 04.12.2007 hatten die oppositionellen Fraktonen aber die Idee, einen Antrag auf Prüfung des möglichen Denkmalschutzes für das Gebäude zu stellen. Damit würden die Vorhaben der CDU- und FDP-Fraktion unmöglich gemacht oder zumindest erschwert.

Da das Prüfungsverfahren am 19.12.2007 noch nicht beendet war, könnte man, so sollte man meinen, ja im Rat beschließen, das Bad mindestens so lange offen zu halten, bis das Ergebnis vorläge.

Doch pünktlich zur Sitzung überbrachte die CDU-Fraktion die Nachricht der NVV AG, von der Deckenkonstruktion des Bades ginge eine Gefahr aus und daher wäre eine Schließung unumgänglich. Ja sowas, wie konnte das denn jetzt so plötzlich passieren?Es gab dann zwar mal einen Ortstermin mit anschließender Besprechung, aber technisch überprüft worden ist die Decke nie.Das Bad ist seit dem 07.01.2008 geschlossen und gammelt vor sich hin, wobei Schäden, die auf  die lange Schließung zurückzuführen sind, nicht auszuschließen sind.

Schließlich wurde das Gebäude dann auch unter Denkmalschutz gestellt. Eine Auflage, die sich daraus ergibt, ist wohl der Erhalt des 10m-Sprungturms, womit die Flachdachvariante hinfällig ist. Schon  warnte die NVV AG vor erneuter Kostenexplosion bei der Sanierung. Klar, man hatte diese Variante ja bei den Planungen auch geflissentlich unter den Tisch fallen lassen und nur die günstigere Flachdachvariante kalkuliert.

Insgesamt ist dabei zu sagen, dass der Stadtrat in der Gesamtheit bei diesem Spielchen immer wieder hinters Licht geführt wurde. Informationen wurden vorenthalten oder verschleiert, so dass eine vernünftige Entscheidung vielen gar nicht möglich war. Der hier zugrunde liegende Bericht der FWG ist datiert auf den 12.06.2008. Einzig Oberbürgermeister Norbeit Bude hätte verschiedentlich die Möglichkeit gehabt, einzugreifen, hatte aber offensichtlich kein Interesse daran.

Abscließend ist doch zu sagen, dass die Machenschaften der CDU- und FDP-Fraktion eine deutliche Sprache sprechen. Man hat da ganz offensichtlich nur das eigene Wohl im Auge und stellt dies weit über die Interessen der Bürger, die man eigentlich zu vertreten verpflichtet ist.

Das Pahlkebad ist wichtig für Rheydt, die Schließung hat eine sprürbare Lücke gerissen. Schüler, Vereinsschwimmer und Senioren müssen sich andere Bäder suchen, oder das Schwimmen ganz sein lassen, was nicht gerade gesundsheitsfördernd ist. In den Neubaukonzepten fehlen außerdem der Saunabereich und die Gastronomie mit Außenbereich völlig. Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund, warum ein Neubau kostengünstiger sein soll, die Zahlen, die das suggerieren sollen, sind nur auf diesen Eindruck ausgerichtet.

Erstaunlicherweise ist gerade heute ein Artikel in der WZ erschienen, der aussagt, dass die CDU nun doch eher zu einer Sanierung des Pahlkebades tendiert. Hat da wohl jemand kalte Füße bekommen in Anbetracht der anstehenden Kommunalwahlen nächstes Jahr? Das zeigt doch auch wieder, dass man auch in der Opposition und als engagierter Bürger an sich etwas bewegen kann. Man sollte also nie resignieren und sich merken, dass Zahlen auch nicht alles sagen.

von Sabine Cremer 04.09.2008

 
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